Berührende Füße und direkte Freiheit

Ayurveda und die Entdeckung der Ganzheit - vierte Woche

erstellt am: 01.05.2014 | Kategorie: Live Blog

ayurveda-ganzheit-indienIch bin zwar schon lange wieder aus Indien zurück und das Ganze liegt irgendwie schon so weit zurück, aber es ist schön mich doch wieder mit dieser Zeit zu beschäftigen und diese Berichte zu unserem Sanjeevani Retreat in Indien zu vervollständigen. Immer wenn mich jemand fragt, wie es denn in Indien war, dann kommt erst mal ein tiefes „AAhhhhh“ aus mir und wenn ich dann nach Worten suche, dann finde ich meist nicht viele. Ich muss dann einfach immer wieder betonen, dass es unbeschreiblich war. Manchmal behaupte ich sogar, dass es der schönste Kurs war, den ich bis jetzt erleben durfte. Wer weiß, was noch kommt und wie es nächstes Mal wohl sein wird. Jetzt aber zum Bericht.

fuss-massage-ayurvedaDie Vierte Woche war hauptsächlich der Fußdruckmassage gewidmet, d.h. einer Massage, die mit den Füssen ausgeführt wird. Ich war so berührt von der Gruppe, als ich sah, wie tief achtsame Berührung, Achtsamkeitsmassage und einfach die Präsenz in jedem einzelnen integriert waren. Nachdem Gopi den ersten Teil der Massage vorführte, dachte ich mir erst, dass es erst mal einige Zeit brauchen würde, bis jeder ein Gefühl für die Bewegungen mit den Füßen bekam, dass es ein rumprobieren wird, bis ein paar Abläufe eingespeichert sind. Erstaunt und ganz berührt musste ich zusehen, wie jeder einzelne ganz natürlich in eine achtsame Präsenz fand und schon beim ersten Versuch eine wunderschöne Massage gab, als ob er das schon immer machen würde. Da erkannte ich nochmal mehr, welches Potenzial in Achtsamkeit, Wahrnehmung und Präsenz auch in Bezug auf Lernprozesse steckt. Sobald du ganz in den Körper findest und in diese Stille in der Gegenwart eintauchst, geht plötzlich alles viel leichter von der Hand, oder in diesem Fall leichter vom Fuß.

Auch die Erfahrungen im Empfangen dieser Massage waren sehr erstaunlich. Diese Massage scheint wirklich nochmal mehr in die Erfahrung der geerdeten Körperlichkeit zu führen. Teilnehmer berichteten von einer intensiven Präsenz im Körper und einer Verbindung zur Erde, die wie eine starke Verankerung in der Gegenwart erschien. Zudem war es sehr erstaunlich welch neuer liebevoller Bezug die Teilnehmer zu ihren Füßen bekamen. Die Füße wurden plötzlich als wundervolles Körperteil wahrgenommen und als Geschenk gesehen. Man kann sich so eine Massage erst gar nicht vorstellen. Der Verstand erschafft sofort Vorstellung wie „da werde ich ja mit Füßen getreten!“ oder „es erscheint so respektlos, wenn ich jemanden mit den Füßen massieren soll!“. Aber in der direkten Erfahrung, fallen die Vorstellung weg und man merkt erst wie viel Respekt und Liebe unsere Füße vermitteln können. Unglaublich! Auch wie kreativ man mit den Füßen sein kann, wurde mehr und mehr entdeckt und die Teilnehmer waren selbst erstaunt von den Möglichkeiten solch einer außergewöhnlichen Massage.

Übrigens wurde ich diesmal auch mit so einer wunderbaren Fußmassage beschenkt und ich kann die Berichte der Teilnehmer nur bestätigen. Diese Massage ist wirklich zu empfehlen, vorausgesetzt natürlich, dass der/die Gebende achtsam und präsent im Körper ruht.

trivandrum-ayurvedaIn dieser Woche gab es auch zwei Ausflüge nach Trivandrum und auch einen Besuch bei Gopi zuhause. Das waren die indischen Highlights der Woche. Es ist für uns wirklich wichtig, dass die Teilnehmer auch Indien live erleben. Die Verrücktheit des Landes ist einfach köstlich, wenn man sich darauf einlassen kann.

Dann gab es noch einen wunderbaren Kochkurs mit Suju, unseren wunderbaren jungen Koch, der täglich durch seine indischen Koch-Künste unsere Gaumen befriedigte. Übrigens hab ich selbst schon die Rezepte, die wir dort vorgestellt bekamen zuhause umgesetzt. Ich kann nur sagen, es war fantastisch.

Jetzt noch zu ein paar für mich sehr zentrale Punkte, die für mich essenziell wichtig für unser Retreat in Indien sind. Meine zentrale Vision für meinen Part in diesem Retreat ist die, dass sich Präsenz im Körper und Achtsamkeit stabilisiert und dadurch Bereitschaft entsteht für ein Tieferschauen, ein eintauchen in einen Bereich, wo es nur mehr wenig Worte dafür gibt. Es geht letztlich um die Entdeckung der Ganzheit, die du bist. Die Bereitschaft und vielleicht auch der natürliche Drang dort hinzuschauen, aus dem alles kommt, zur Quelle zurückzublicken, das zu bemerken, was keiner Verbesserung, keiner Vertiefung und keiner Veränderung bedarf, das zu sehen, was deine wahre Natur ist, entsteht vielleicht, wenn das Nervensystem, der Körper und der Geist sich in eine relativ natürliche Entspannung begibt und ein stabiles Wahrnehmen und Dasein geschieht. Auf Das hinzuweisen, was schon absolut vollständig ist, was der Ozean selbst ist, auf dem die Wellen der Persönlichkeit erscheinen, kann erst auf fruchtbaren Boden fallen, wenn Bereitschaft dafür da ist, oder einfach wenn es Zeit dafür ist.

daniel-ganzheitDieser Hinweis und auch praktische Selbsterkundungsübungen dazu geschahen am Ende dieser Woche noch sehr klar und fielen auch auf fruchtbaren Boden. Es war für mich so schön, zu sehen, wie viel Einlassen dafür geschah. Natürlich sind die Übungen dazu wieder nur ein paar Krücken um die ersten Schritte zu gehen, und der direkte Hinweis auf Ganzheit absolut verrückt, aber wenn Einlassen geschieht und eine natürliche satte Präsenz im Körper da ist, dann kann das ein Sprungbrett in die Freiheit sein, wo es keine Worte mehr gibt, wo Leben aus sich selbst geschieht, ohne dass etwas besser, anders oder vollständiger werden muss. Das ist dann die Entdeckung von Sanjeevani, dem zeitlosen Leben in der lebendigen Gegenwart. Wenn dich das weiter interessiert, dann findest du unter Ganzheit noch einen Text zu dieser Vision.

Nun, das war der Bericht zur vierten Woche. Ich habe vor noch einen Bericht zur Abschluss-Woche zu schreiben oder einen Abschluss-Bericht, aber, so wie das Leben spielt, kann ich nur hoffen, dass es mich wieder zum Schreiben führt. Das schreiben hat wirklich was schönes an sich. Bin begeistert!

Danke fürs Lesen und bis dann in der Freiheit des Seins, oder gar in Indien bei der nächsten Ayurveda Ausbildung und der Entdeckung der Ganzheit, die du bist!

Liebe Grüße

Daniel

Kommentare

3 Gedanken zu “Berührende Füße und direkte Freiheit

  1. Nina Donhauser sagt:

    Wow Daniel,
    diesmal glaube ich, hast du dich in der Rhetorik selbst übertroffen. Ich weiß nicht ob ich auf diese Frage, „wie es in Indien war“ immer die richtigen Worte finde, um diese tiefe Erfahrung zu vermitteln. Am liebsten würde ich allen diesen Text in die Hände drücken. Ich wünsche dir, allen Erfolg der Welt mit deiner Vision und bin vielleicht sogar ein kleiner Apostel von dir, hi hi! Liebe Umarmung, Nina

    1. Daniel sagt:

      Hey Nina
      Danke, danke, danke! Für diesen Kommentar. Freut mich unglaublich das von dir zu lesen! Hoffe wir treffen uns mal wieder. Ganz feste Umarmung!!! Daniel

  2. Ich war fasziniert von deinem Bericht über die Fußdruckmassage… Ich bin selbst beruflich mit Ayurveda und seinen Behandlungen beschäftigt, die Massage mit den Füßen wird aber hier ja nur sehr selten angeboten. Normalerweise heißt es immer, sie muss so viel geübt werden. Aber ja, du sprichst die Wahrheit aus… mit Achtsamkeit bekommt alles, was man tut, direkt die Qualität die gebraucht wird. Danke für die Inspiration!

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